So, es ist gerade Samstagmorgen, kurz vor 2 Uhr. Aus irgendeinem Grund funktioniert das WLAN im Hotel nachts nicht, weshalb ich diesen Blogeintrag erst nach dem Aufstehen online stellen werde. Da ich bisher zu faul war, werd ich jetzt mal über die ersten zwei Tage Wien berichten.
Die Anreise war super, ich hab Ingo gegen halb 4 abgeholt, am Flughafen Hamburg war erstaunlich viel los für die unchristliche Uhrzeit, lief aber alles gut. In Wien angekommen haben wir enorm schnell unsere Koffer bekommen und sind aus dem FLughafen raus, wo es einen Shuttlebus gibt, der halbstündlich in die Innenstadt fährt. Dieser fuhr in genau drei Minuten, super Timing, danke AirBerlin. Am Schwedenplatz angekommen sind wir gleich in die U-Bahn, die hier tagsüber im 4-Minuten-Takt fährt, nice. Somit war Einsteigen und Umsteigen auch enorm effizient. Angekommen an unserer Haltestelle standen wir etwas planlos in der Gegend, als uns eine ältere Dame fragte, ob sie uns helfen konnte. Sie beschrieb uns den Weg ins Hotel, was kaum 5 Gehminuten entfernt lag. Wir hatten also vom FLughafen bis zum Hotel nirgens länger als ein paar Minuten gewartet oder gesucht, lief echt super.
Nach ein wenig Verschnaufpause haben wir dann mal die Umgebung des Hotels gecheckt, das im 11. Bezirk liegt. Hier fielen uns hauptsächlich zwei Dinge auf: Handyläden und Bönerbuden. Naja, whatever. Das Concord Card Casino soll laut Plan rund zwei Kilometer entfernt sein, daher erkunden wir, inwiefern das in Fußmarschreichweite liegt. Wir finden es auch schnell. Es sieht von aussen ziemlich komisch aus, zumal es sich Gebäude und Parkplatz mit einem Saunaclub teilt. Ein Schelm wer hier böses denkt
. Dieser Schuppen sieht ganz gut suspekt aus, naja, wir sind ja auch nicht zum f**ken in einem Saunaclub hergekommen. Wir gehen ins Casino und lassen uns von einem sehr netten Empfangsmenschen herumführen. Es stehen rund 50 grüne Pokertische rum, unterteilt in Turnier- und Cashgamebereich, an etwa 3-4 Tischen ist Betrieb, wohlgemerkt gegen 11 Uhr vormittags an einem Donnerstag.
Wir bekommen insgesamt drei Gutscheine, einen für ein Turnier im Wert von 20 Euro, einen für ein Zwei-Gänge-Menü und einen für 10 Euro bei Concord Aces, einer Blackjack Variante bis 22 statt 21, die ich für noch mehr -EV als Blackjack halte. Reichlich Rakeback im vorraus quasi, die wissen schon, wie sie die Leute zum spielen animieren. “Fühlts euch ganz wie zuhaus” sagt der nette Herr, denn an den Tischen darf gegessen, getrunken und geraucht werden, alles 24 Stunden am Tag. Die Atmosphäre ist locker und ungezwungen, die Aufmachung ist aber schon recht edel. Eine fehlende Kleiderordnung zeigt, wie sehr das ganze für Pokerspieler ausgelegt ist.
Nach dem Rückweg legen wir uns auf dem Zimmer beide ein wenig hin, der Tag war ja auch ganz schön anstrengend, ich bekomme das erste mal nach rund 32 Stunden Schlaf
. Abends gehen wir noch ein paar Bier und Wasser kaufen und essen einen superscharfen, aber leckeren Döner, was anderes gibts hier anscheindend nicht. Zurück im Hotel genießen wir unsere Biere (Zipfer Urtyp und Stiegl, ersteres ist sehr herb, weshalb nur ich es mag) und bereiten uns vor, ins Casino zu gehen.
Im Casio angekommen melden wir uns beim Floorman, der uns leider beide an den gleichen Tisch setzt. Eigentlich nicht so toll, aber irgendwie isses mir ganz recht an meinem ersten Tag hier noch jemanden zu haben, der mit mir leidet, denn die Anspannung ist schon recht hoch, gerade wenn man frisch in ungewohnter Umgenung dazukommt und dann Bares auf den Tisch legt. Sofort in der ersten Hand finde ich am Cut-Off Neunen. Hier darf man offenbar immer ins Spiel einsteigen ohne einen Blind zu zahlen, komisch, aber ok. Ich bin noch dabei mich richitg zu setzen und meine Chips hinzulegen, da bin ich an der Reihe und sehe drei Limper vor mir. Da ich die Situation gerade nicht im Blick habe, nehme ich zwei Zehner und sage “Raise 14″, etwas hoch vielleicht und man kann das sicher auch in position auf Set Value spielen, nun gut. Ich werde vom Small Blind gecallt, ich habe das Gefühl, dass er mich nur callt, weil ich firsch am Tisch gleich so eine Aggression zeige und er sich nicht herumschubsen lassen will. De Flop kommt T-J-3 mit zwei Kreuz, er checkt und ich spiele eine Conti von 20, die er callt. der Turn bringt eine blank, ich checke behind, da ich davon ausgehe, dass er getroffen hat und ich ihn nicht von einem eventuellem Draw bekommen kann. Der River ist ein hohes Kreuz, ich folde auf seine 50er Bet. Er fragt, ob ein Jack gereicht hat, ich denke mir “ja hat er, du Arsch”. In der ersten Hand 34 Euro verblasen, gut gemacht, molinero!
Nach etwa zwei Orbits finde ich rote Aces, meinen Raise callen zwei Gegner. Der Flop kommt Q-J-2, wieder mit 2 Kreuz. Ich contibette, was der Typ aus der Neunerhand callt. Der Turn bringt die Kreuz 3, ich setze ihn für 50 All-In er callt mit A2c, Nutflush. Damn. Mein Name kommt aber auf eine Liste, denn für 3mal verlorene Asse in 24 Stunden gibt es 500 Euro. Genrell gibt es reichlich Jackpots, jeder Straightflush wird mit einem solchen belohnt, der bei 100 Euro anfängt und sich täglich um weitere 100 erhöht, es gibt einen Badbeat Jackpot für verlorene Quads oder besser und und und. Nur wenige Hände später verliert auch Ingo seine Aces. Keine 30min im Casino, beide mit Aces verloren und jeweils rund 100 Euro down. ich bekomme lange Zeit nichts und 3-bette irgendwann mit AK einen 10-Euro-Raise von einem netten Typen rechts neben mir, mit dem ich schon ein wenig im Gespräch war. Er instapusht und ich überlege ein wenig. Ich bin der festen Überzeugung, dass er aufgrund meiner Tightness diesen Move auch mit AQ und vielleicht sogar AJ macht, Paare runter bis TT dürfte er auch so spielen. Overall sehe ich mich hier knapp vorne, denn nur gegen Aces oder Kings bin ich krasser Aussenseiter. Ich calle also für meine restlichen 105 oder so und er flippt natürlich Aces. Damn. Es kommen zwar noch Q und J, aber ich lucke mir leider keine Straight zusammen. Rebuy.
Wie genau der zweite Stack verloren ging, weiß ich gerade gar nicht. Jedenfalls muss ich irgendwann nochmal rebuyen. Danach passieren noch einige Hände, an die ich mich nciht so recht erinnere. Einmal habe ich mir QJ gegen QT einen halbwegs großen Pot verloren, da er sich auf dem River noch ein Twopair geluckt hat, ein paar kleine Pötte darf ich showdownfrei einsammeln, nichts bewegendes. Danach kam aber die Durststrecke überhaupt: Ich bekomme nur noch 72, 38, 23 oder 48 auf die Hand. Fast vier Orbits lang sehe ich nur diese Hände. Einmal finde ich einen Jack, allerdings mit einer Drei dazu. Ich beschließe noch einmal auf den Blind zu warten und dann auszusteigen. Zwei Hände vor Ende finde ich UTG+1 schwarze Queens, der Typ rechts von mir raist blind auf 10. Eigenltich eine perfekte Situation, andere könnten denken, ich klau den Pot mit einem Raise auf 30. Nur UTG callt mit Worten “für nen Blindraise schon nicht schlecht”. Das kann alles sein. Der Flop kommt K-6-2 rainbow, seinen Check beanworte ich mir einer 50-Euro-Conti, er foldet AT offen. Ich stehe auf, nachdem ich noch 62 folde und Wechseln meine Chips. Sagenhafte 411 Euro down heute. Das war ja nicht so der Traumstart. Ich railbirde dann noch ein wenig am Finaltable des 100-Euro-Turniers und am Omaha-Tisch, bis Ingo auch dazukommt. Ich hatte ihm signalisiert einen Orbit zu warten, bis er auch geht, damit man uns nicht miteinander assoziiert. Auch er hat gut eingebüßt und geht mit Minus nach Haus, wo wir wir uns noch ein paar Biere gönnen und einschlafen.
Heute morgen weckt uns das Zimmermädchen mit einem “‘tschuldigung”, schließt dann wieder die Tür und geht. Ich schlafe zwar nochmal ein, stehe aber auch bald auf und finde Ingo vor dem Fernseher. Wir kommen schlecht in Gang und verlassen das Hotel erst gegen 13 Uhr. Wir schauen uns zunächst das Gasometer an, was aber scheinbar nur eine Shoppingmall ist und nur äusserlich interessant wirkte, also auf auf in Richtung City. Wir schlendern ein wenig durch die Innenstadt und machen dann erstmal im Wienerwalds Jause. Ein Händl später beschließen wir Sightseeing zu betreiben. Wien ist wirklich wunderschön, die Architektur ist ein Traum und es macht wirklich Spaß an jeder Ecke irgendein schönes Gebäude zu entdecken. Im Stephansdom beginnt gerade eine Messe, daher verziehen wir uns recht schnell wieder, ist aber schon ziemlich imposant. Nach einem kleinen wieteren Rundgang fahren wir ins Hotel zurück. Wir chillen ein wenig, schauen fern und surfen im Netz, bis ich gegen 21 Uhr frage, wann wir ins Casino wollen. Ingo ist ziemlich fertig und müde und will gar nimmer los, also gehe ich allein.
Dort angekommen schaue ich mich ein wenig um, es ist deutlich mehr los, Freitagabend halt. Es öffnet ein neuer NL1/2-Tisch und ich setze mich dazu. Ich kann ein paar kleine Pötte gewinnen, habe aber ein sehr tightes Image am Tisch. Einen recht großen Pott hole ich mit AQ gegen einen indisch-aussehenden Trottel, komme auch hoch bis etwa 320 Euro (hab mich mit 200 eingekauft), verliere aber 110 in folgender Hand: Ich openraise A9h in Middle Position und bekomme 2 Caller. Der Flop kommt T-T-3 mit zwei Herz und ich contibette meinen Flushdraw. Ein junger, mir als recht solider Spieler aufgefallener Spieler minraist mich, was ich calle. Ich glaube im zwar die Zehn, die Odds rechtfertigen den Call aber denke ich. Der Turn ist die Herz 6. Ich checke, er spielt mit etwa Drittel Potsize All-in, was ich calle. Der River bringt eine weitere Drei, er zeigt AT und entschuldigt sich, als ich aufdecke. Passiert, ist aber ärgerlich. Kurz danach finde ich rote Kings, raise und bekomme einen Call IP von einem arabisch-aussehenden Typen, der bisher auch ganz gut gespielt hat. Der Flop kommt Q-8-2, alles Pik. Ich contibette mit 30 in den 40er-Pot, er raist auf 70. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er keinen Flush hat, sehr wahrscheinlich hat er die Queen getroffen und ein Pik dazu, vielleicht das As, also calle ich. Der Turn bringt eine rote 6, er pusht für knapp unter halbem Pot Alli-in. Ich calle, wenn er jetzt noch trifft: so be it. Der River bringt eine blank und er dreht QJc um. Er hatte also wirklich geblufft, zumindest war ich durchweg vorne.
Ich spiele noch ein paar mal AQ, was etwa gleich oft in Gewinn und Verlust endet, multiway ist Ace-high halt auch nichts wert. Letztendlich stehe ich mit 470 Euro auf, railbirde noch ein wenig, cashe dann aus und gehe heim. Overall bin ich zwar noch 141 Euro down, aber das wird morgen schon, ich glaub fest an mich. Ich denke, ich habe bis auf ein paar Kleinigkeiten sehr gutes Poker gespielt, aber meine Edge ist halt deutlich kleiner als in Bremen, da das Niveau insgesamt schon etwas höher ist.
Noch ein paar Eindrücke zum CCC:
- Mischmaschinen: In jedem Tisch ist eine Mischmaschine eingebaut, es wird mit zwei Decks gespielt. Sehr schöne Sache, zum einen für die Spielgeschwindigkeit, zum anderen werden so in jeder Hand die Karten gezählt.
- Rake: Meine Fresse, da wandert ganz schön was in den Tisch. Aus jedem Pot wandern durchschnittlich drei Euro in den Tisch, dazu kommt noch ein Euro Tablefee. Da kommt echt ganz schön was zusammen.
- Dealer: sehr kompetente, schnelle Dealer arbeiten hier. Die Freundlichkeit ist extrem unterschiedlich, aber nach ein wenig Trinkgeld gehts ganz gut.
Soviel erstmal, ich hab jetzt fast eine Stunde gebloggt, ich trink jetzt mein Bier aus und geh pennen. Morgen gibts nachmittags SNGs, die aber crappy zu sein scheinen und abends ein Turnier, mal schauen, was da so geht.